US-Notenbank senkt Leitzinsen
US-Notenbank senkt Leitzinsen
Die amerikanische Notenbank (Fed) hat unter dem Druck der Finanzmarktkrise die Leitzinsen diese Woche um 0,75 Prozentpunkte auf 2,25% gesenkt. Im Vorfeld wurde von vielen Marktteilnehmern sogar eine Senkung auf 2,00% erwartet, gegen die sich die Notenbanker aber - mit dem Argument der zu hohen Inflationszahlen - vorerst entschieden haben. Am Anleihemarkt ist es in der Folge zu Gewinnmitnahmen gekommen und die Börsen haben sich vorerst stabilisieren können. Die Hinweise der Federal Reserve auf eine weitere Abschwächung der US-Konjunktur haben jedoch der Hoffnung auf weitere Leitzinssenkungen in den nächsten Monaten neue Nahrung gegeben.
Gleichzeitig haben die Rohstoffpreise und der Ölpreis nachgegeben, da eine langwierige Durststrecke in den USA mit Verzögerung auch Asien und Europa und damit auch die Nachfrage nach Energie und Rohstoffen bremsen könnte. Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt vorerst bei ihrer Linie, ihre Zinspolitik von Euroland-Überlegungen bestimmen zu lassen. Die Übertreibungen an den Kreditmärkten wurden in den USA verursacht und müssen auch dort gelöst werden. Daher tut die EZB auch gut daran die europäische Konjunktur und den Inflationsdruck in Euroland als Entscheidungsgrundlage zu nehmen. Demnach erwarten wir für die nächsten Wochen keine Leitzinssenkung der EZB. Vor diesem Hintergrund erscheint der Spielraum bei den langfristigen Kapitalmarktzinsen in Euro nach unten ziemlich ausgereizt zu sein. Der Bund-Futures-Kontrakt, der seit Mitte 2007 von 110 Punkten auf inzwischen 117-118 Punkten angestiegen ist, und damit den Zinsrückgang bei den 10-jährigen Bundesanleihen ausdrückt, hat jetzt eine charttechnische Widerstandslinie erreicht. So lange die Inflationszahlen hartnäckig hoch bleiben, wird dieses Niveau schwer zu überspringen sein.
Wir empfehlen daher Immobilienkäufern und Anschlussfinanzierungskunden nicht auf fallende Langfristzinsen zu spekulieren, sondern ihre Zinskonditionen festzuzurren. Gerade die 10- und 15-jährigen Baugeldkonditionen liegen im historischen Vergleich sehr günstig, vor allem wenn man die hohen Inflationsraten in Betracht zieht. Besonders eklatant wird das vor Augen geführt, wenn man die aktuellen Tagesgeldkonditionen von vielen Banken sieht, die um 4,50% liegen - also auf ähnlichem Niveau, zu dem auch Baukredite erhältlich sind. Für Anschlussfinanzierer ist zu beachten, dass die Forward-Aufschläge weiterhin recht günstig sind, auch wenn die Zinsstrukturkurve zuletzt positiver geworden ist. Wir gehen aber auch in den nächsten Monaten von einer steileren Zinskurve aus und empfehlen daher die aktuellen Zinsen zur Absicherung der Anschlusskonditionen konsequent zu nutzen.
Tendenz
kurzfristig: seitwärts
mittelfristig: aufwärts
von Robert Haselsteiner

